{"id":417,"date":"2015-07-07T15:12:15","date_gmt":"2015-07-07T13:12:15","guid":{"rendered":"http:\/\/mp-management.org\/?page_id=417"},"modified":"2019-08-03T12:12:37","modified_gmt":"2019-08-03T10:12:37","slug":"denyo","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mp-management.org\/?page_id=417","title":{"rendered":"Denyo"},"content":{"rendered":"<p>Lange Geschichte, kurzer Sinn: Denyo ist zuru\u0308ck \u2013 mit einem neuen Album und seiner ganz pers\u00f6nlichen Version von Hip-Hop-Musik fu\u0308r das Hier und Jetzt. \u201cDerbe\u201d ist inspiriert von u\u0308ber zwei Jahrzehnten Rap und den Sounds von Morgen. Denn das Ende vom Lied ist bekanntlich nur der Anfang vom n\u00e4chsten&#8230;<\/p>\n<p>Wer u\u0308ber Denyo spricht, kommt an Geschichte nicht vorbei. Mit seiner Band (Absolute) Beginner definierte er u\u0308ber ein Jahrzehnt hin-weg den Sound des deutschen Hip-Hop. Die Stilexperimente von \u201cFlashnizm\u201d, der Bums von \u201cBambule\u201d, der Neoklassizismus von \u201cBlast Action Heroes\u201d pr\u00e4gen das Genre bis heute. Dessen Grenzenaber waren dem gebu\u0308rtigen Hamburger stets zu eng, seine vermeintlichen Regeln nur eine Aufforderung, sie zu brechen. So erfand sich Denyo immer wieder neu. Er ver\u00f6ffentlichte drei Solo-alben, darunter zuletzt 2009 die Singer-Songwriter-Platte \u201cSuchen &amp; Finden\u201dunter seinem bu\u0308rgerlichen Namen Dennis Lisk. Er wurde DJ, Kurator, Mentor.<\/p>\n<p>Nun l\u00e4sst er Denyo wieder aufleben \u2013 den MC, der Rap auf Deutsch einst in eine neue (Style-)Liga katapultierte. Sein neues Album \u201cDerbe\u201d ist Snapshot, Aufarbeitung und Ausblick zugleich. Sie zeigt den gereiften Familienvater, der sich seit u\u0308ber 20 Jahren im dauer-aufgeregten Paralleluniversum Musikindustrie bewegt und dabei alles erlebt hat, von Platinplatten und Stadionshows bis hin zu leisen Momenten der Introspektion. Sie zeigt aber auch den nimmermu\u0308den Musiknerd, dessen gr\u00f6\u00dftes Glu\u0308ck darin besteht, nach Soundcloud-Preziosen zu graben, Beats zu basteln und obsessiv an Worten zu feilen, bis sie genau das sagen, was sie ihm bedeuten.<\/p>\n<p>Die zehn Stu\u0308cke von \u201cDerbe\u201d sind das Ergebnis von drei Jahren intensiver Auseinandersetzung mit Sounds und Texten. Die Beatge-ru\u0308ste und Songkonzepte entstanden in Denyos Wohnzimmerstudio in seiner Wahlheimat Berlin \u2013 teils w\u00e4hrend der Arbeit am fast schon mythischen vierten Beginner-Album, teils durch die allt\u00e4gliche Suche nach frischen Tracks, wie er sie Woche fu\u0308r Woche in seiner Radiosendung \u201cTop Of The Blogs\u201d auf N-JOY pr\u00e4sentiert. Diese Skizzen<br \/>\nproduzierte er gemeinsam mit den Ghetto-Bass-Spezialisten von Symbiz aus und verfeinerte sie schlie\u00dflich minuti\u00f6s bis zu ihrer jetzigen Form.<\/p>\n<p>Dabei ist ihm Erstaunliches gelungen: Mit \u201cDerbe\u201d nimmt Denyo das Gestern mit ins Heute, um sich selbstbewusst ins Morgen zu stu\u0308rzen. Er hat Hamburg im Herzen, die Welt im Blick und beide<br \/>\nBeine auf dem Berliner Boden. Der Albumtitel ist dabei mehr als eine Referenz an den Schnack der Stadt, die ihn gro\u00dfgezogen hat. Er ist auch die denkbar pr\u00e4gnanteste Punchline u\u0308ber eine fundamentale Wahrheit des Pop: Ein derber Song ist ein derber Song ist ein derber Song. Und Denyo versteht ein bisschen was von derben Songs.<\/p>\n<p>Der (gar nicht so) heimliche Schlu\u0308sseltrack \u201cElbtunnelblick\u201c etwa changiert zwischen einem tiefenentspannten, wohlig vertrauten Soul-Sample und einem hyperaktiven Hitech-House-Beat. In diesem Hochspannungsfeld reflektiert Denyo die zuru\u0308ckliegenden Jahre \u2013 und kickstartet damit die n\u00e4chste Runde seiner Rap-Karriere: \u201cHelm auf, Vollgas, Elbtunnelblick\u201d. Doch \u201cElbtunnelblick\u201d bedeutet auch: Erst der absolute Fokus \u00f6ffnet den Blick aufs gro\u00dfe Ganze. Und wirklich zuhause ist nur, wer schon mal auf der anderen Seite war.<\/p>\n<p>Diese Perspektive \u00f6ffnet selbst den pers\u00f6nlichsten Songs der Platte eine zweite Ebene der Allgemeingu\u0308ltigkeit. So ist \u201cUrlaub im Gru\u0308nen\u201d nur vordergru\u0308ndig eine bildreiche Kiffer-Hymne; es ist auch eine Parabel auf den allt\u00e4glichen Wahnsinn im WLAND und die Sehnsucht nach einem kurzen Moment der Mobilfunkstille. \u201cHu\u0308bsche Frauen\u201d dagegen beleuchtet augenzwinkernd die uns allen schmerzlich bekannten Kausalzusammenh\u00e4nge zwischen Kontostand und Kleiderschrank. Mit \u201cPapa\u201d erkl\u00e4rt Denyo an der Seite von Deutschraps \u00dcbervater Torch seinen Kindern (und insgeheim sich selbst) seinen Job. Auf \u201cKein Bock\u201d nimmt er mit geschultem Blick \u2013 sowie seinen MC-Champions-League-Kollegen Jan Delay und Sido \u2013 die Rituale der H\u00e4ppchenj\u00e4ger und Dummschw\u00e4tzer von Berlin-Mitte auf die Schippe. Und \u201c#DERBE\u201d schlie\u00dflich ist eine Ode an das Feiern und die Realit\u00e4tsflucht im Zeitalter der zwanghaften Selbstoptimierung: ein riesengro\u00dfes Stu\u0308ck Kleinerdrei zwischen Nullen und Einsen.<\/p>\n<p>All das flie\u00dft schlie\u00dflich zusammen, wenn sich Denyo auf \u201cGegenwind\u201d seine eigene Schnellstra\u00dfe in die Zukunft baut \u2013 breit wie der Dubstep-inspirierte Beat, der wuchtig unter dem schwerelosen Refrain wummert. \u201cIch pflaster\u2019 mir \u2018ne Startbahn aus deinen Steinen \/ Und dann heb\u2019 ich ab und sammel\u2019 Meilen\u201d, hei\u00dft es dort. Denn: \u201cJe mehr Gegenwind, desto mehr Auftrieb.\u201d Denyo hat nie einen Hehl aus seinen Emotionen gemacht; auch aus Ru\u0308ckschl\u00e4gen und Zweifel hat er stets neue Inspiration bezogen. Mit \u201cDerbe\u201d schlie\u00dft sich dieser Kreis: \u201cZehntausend Meter u\u0308ber dieser blauen Erde tagge ich meinen Namen in wei\u00dfer Schrift in die Atmosph\u00e4re.\u201d<br \/>\n\u201cDenyo\u201d steht dort nun, und dieser Denyo lebt. In vollen Zu\u0308gen.<\/p>\n<p>Davide Bortot \/ Berlin, 2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange Geschichte, kurzer Sinn: Denyo ist zuru\u0308ck \u2013 mit einem neuen Album und seiner ganz pers\u00f6nlichen Version von Hip-Hop-Musik fu\u0308r das Hier und Jetzt. \u201cDerbe\u201d ist inspiriert von u\u0308ber zwei Jahrzehnten Rap und den Sounds von Morgen. 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